
Woran erkennt man vegetabil gegerbtes Leder? Als Erstes am Geruch. Wer unsere Werkstatt besucht, merkt es an der Tür: „Bei euch riecht's aber gut", hören wir oft. So riecht Leder, das nur mit pflanzlichen Gerbstoffen gegerbt wurde.
Gegerbt wird mit pflanzlichen Gerbstoffen – Rinden und Hölzern. Meist geschieht das im Fass: Die Bewegung macht das Leder geschmeidig und weich, lockert aber auch die Faserstruktur etwas – und anders als vielfach beschrieben (Wikipedia eingeschlossen) dauert die Fassgerbung deutlich weniger als 24 Stunden. Ihr Gegenstück ist die seltene Grubengerbung: Die Haut liegt still, wochenlang – das Leder wird dichter, fester, steifer. Für unsere Produkte kaufen wir Leder aus dem Fass: Wir brauchen die Geschmeidigkeit. Die Gerbstoffe stammen aus nachwachsenden Rohstoffen, ins Abwasser gelangen keine giftigen Stoffe. Nachgerbung und Fettung erfolgen mit natürlichen Rohstoffen, die Zurichtung – wenn nötig – mit lösemittelfreien Lacken auf Wasserbasis.
Von Rindern aus süddeutscher Produktion. Die Häute sind Nebenprodukte der Fleischproduktion – kein Abfall, sondern ein Rohstoff mit Wert.
Selten. Es gibt Rinder aus biologischer Haltung – aber deren Häute laufen in der Regel mit allen anderen durchs selbe Gerbfass; eine Trennung findet meist nicht statt. Echtes Bio-Leder entsteht nur, wenn jemand ein ganzes Fass exklusiv mit Bio-Häuten füllen lässt – das ist möglich, aber aufwendig und selten. Wo „Bio-Leder" draufsteht, lohnt also die Nachfrage: ganzes Fass – oder nur ein Wunsch?
Aus zwei deutschen Gerbereien – traditionsreiche Familienbetriebe, die uns auch kleine Mengen in dieser Qualität zur Verfügung stellen. Beide sitzen seit Generationen mitten in ihrer Stadt, mit alten Wasserrechten. Diese Rechte sind nur geblieben, weil so ökologisch gearbeitet wird – anders ginge Gerben in der Stadtmitte gar nicht. Mehrmals im Jahr fahren wir hin, sprechen mit dem Gerber, was gerade am Lager ist – und suchen aus, was sich am Telefon nicht besprechen lässt: die besonderen Häute, Stück für Stück.

Weil keine alles kann. Die eine beherrscht kräftige, leuchtende Farben. Die andere die subtilen Töne und besonderen Oberflächenstrukturen – und sie schärft uns auch fertige Häute dünner, wenn eine Tasche das braucht. Auf Wunsch versiegelt sie die Rückseite mit einer Appretur, damit nichts fusselt – und Sie Ihren Schal sauber aus der ungefütterten Tasche holen.
Die ehrliche Antwort: pure Begeisterung. Die erste Gerberei hatte ich ganz am Anfang im Internet gefunden – und bin hingefahren. Erst mal habe ich mich gefreut, dass die überhaupt mit mir reden. Dann wurde ich durch die Gerberei geführt: die alten Gebäude, die alten Maschinen, die schwere Handarbeit – so etwas hatte ich noch nie gesehen. Und dann das Lager: Schätze über Schätze, vom Boden bis zur Decke. Das lässt einen nicht mehr los.
Dazu kommt der praktische Grund: Diese Gerbereien machen Leder, das es sonst nirgends gibt – und wenn es das richtige noch nicht gibt, wird es für uns gemacht: Als für ein neues Produkt die Häute der vegetabilen Gerbereien zu klein waren, haben wir es mit konventionellem Leder versucht: einzelne Häute gekauft, Muster gefertigt, beim dritten Anlauf war es eigentlich okay. Aber vor dem fertigen Muster kam die Frage: Ist das ein werktat-Stück? Nein. Also haben wir das Leder machen lassen, das es brauchte – vegetabil, eigens für uns. Jetzt passt alles.
Und ja: Wer vegetabil gegerbtes Leder kauft, unterstützt ein altes Handwerk.
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