Veganes, recyceltes oder echtes Leder: Was steckt wirklich drin?
Wer heute „Leder“ kauft, bekommt drei sehr verschiedene Materialien angeboten: echtes Leder, „veganes Leder“ und „recyceltes Leder“. Die Namen klingen ähnlich – die Materialien könnten unterschiedlicher kaum sein. Wir nehmen die Begriffe auseinander, damit Sie beim nächsten Kauf wissen, was Sie in der Hand haben. Und ja: Wir verkaufen selbst echtes Leder. Gerade deshalb sagen wir Ihnen am Ende auch ehrlich, für wen unsere Materialien nichts sind.
„Veganes Leder“: Kunststoff mit schönem Namen
Was in Onlineshops als „veganes Leder“ verkauft wird, ist in den allermeisten Fällen Kunstleder: ein Textilgewebe, beschichtet mit Polyurethan (PU) oder PVC, geprägt und gefärbt, bis die Oberfläche nach Leder aussieht. Auch die neueren Varianten aus Kaktus, Apfel oder Ananas kommen selten ohne Kunststoff aus – die Pflanzenfasern werden meist mit PU gebunden oder beschichtet, damit das Material überhaupt hält. „Apfelleder“ besteht zum Beispiel oft etwa zur Hälfte aus Polyurethan.
Der Wunsch hinter dem Begriff ist völlig legitim: kein Tierprodukt. Nur der Name führt in die Irre. Ehrlicher wäre: beschichtetes Textil.
Das Problem zeigt sich mit der Zeit. Die Kunststoffbeschichtung wird spröde, bekommt Risse – besonders an Knickstellen – und löst sich schließlich vom Trägergewebe. Wer schon einmal eine „Leder“-Tasche hatte, die nach zwei, drei Jahren abblätterte, kennt den Effekt. Reparieren lässt sich das nicht: Ist die Beschichtung einmal beschädigt, hilft keine Pflege mehr. Und am Ende bleibt ein Verbund aus Textil und Kunststoff, der weder abbaubar noch sinnvoll recycelbar ist.
Der Vollständigkeit halber: Es gibt Ökobilanzen, nach denen Kunstleder in der Herstellung besser abschneidet als Leder – die Gerbung braucht nun einmal Wasser und Energie. Diese Rechnungen enden allerdings am Fabriktor. Rechnet man die Nutzungsdauer mit, dreht sich das Bild: Ein Material, das nach wenigen Jahren ersetzt wird, muss immer wieder neu produziert werden. Ein Material, das Jahrzehnte hält, nur einmal.
„Recyceltes Leder“: Recycling-Aura mit Schwachstellen
Klingt nach der perfekten Lösung: Leder, aber aus Resten. Dahinter steckt in der Regel sogenannter Lederfaserstoff (englisch „bonded leather“): Lederreste und Falzspäne aus der Produktion werden zermahlen und mit einem Bindemittel – je nach Hersteller Naturlatex oder Polyurethan – zu Bahnen verpresst, oft mit einer geprägten Oberfläche, die nach Leder aussehen soll.
Der Recycling-Gedanke daran ist echt: Produktionsabfälle werden verwertet statt entsorgt. Das ist gut.
Aber Lederfaserstoff ist kein Leder. Wir haben uns das Material selbst angeschaut, als wir es für unsere Sitzkissen und Bankauflagen in Erwägung zogen – angeboten als „recyceltes Leder“ mit 45 % Lederanteil. Was wir in die Hand bekamen, hatte mit Leder nichts zu tun: eine harte Platte, der eine Prägung übergestülpt war, damit sie nach Leder aussieht. Die Farben wirkten künstlich. Nichts von der Geschmeidigkeit, dem Griff, der lebendigen Oberfläche, die gewachsenes Leder ausmachen. Für uns war das Thema damit erledigt.
Der Grund liegt im Aufbau: Dem Material fehlt die gewachsene, natürlich verflochtene Faserstruktur der Haut. Zermahlene und wieder verklebte Fasern sind deutlich weniger reißfest, die Oberfläche kann sich lösen und abblättern – das bekannte Schicksal günstiger „Leder“-Sofas und Bucheinbände. Und der Lederanteil schwankt je nach Produkt erheblich; bei Billigware liegt er teils weit unter der Hälfte. Eine Patina entwickelt das Material nicht. Es altert nicht schön – es zerfällt.
Übrigens: Diese Härte sieht man mit etwas Übung schon auf den Produktfotos. Wie das Material fällt, wie steif die Kanten stehen, wie gleichförmig die Prägung über die Fläche läuft – gewachsenes Leder liegt anders, knickt anders, und keine zwei Stellen der Haut sehen gleich aus.
Deshalb ist die Kennzeichnung streng geregelt: Nach der Norm EN 15987 darf ein Produkt mit weniger als 50 Prozent Lederanteil nicht einmal „Lederfaserstoff“ heißen – und als „Leder“ verkauft werden darf Lederfaserstoff ohnehin nicht. Unser Muster mit seinen 45 % lag also unter dieser Schwelle und wurde uns trotzdem als „recyceltes Leder“ angeboten. Genau das passiert im Handel laufend, unter Namen wie „bonded leather“, „PU-Leder“ oder eben „recyceltes Leder“. Die deutsche Bezeichnungsvorschrift nennt ‚Recycling-Leder' sogar ausdrücklich als unzulässige Bezeichnung.
Echtes Leder: das Original – mit ehrlichen Schattenseiten
Echtes Leder entsteht aus tierischer Haut, deren gewachsene Fasern beim Gerben erhalten bleiben. Genau das darf nach der Bezeichnungsvorschrift RAL 060 A2 auch nur so heißen – Gerichte haben Bezeichnungen wie „PU-Leder“ und „Textilleder“ für Kunststoffmaterialien mehrfach als irreführend eingestuft (OLG Hamm, Urteil vom 08.03.2012, Az. I-4 U 174/11; OLG Bamberg, Urteil vom 21.03.2012, Az. 3 U 219/11).
Zur Ehrlichkeit gehört, es genauer zu sagen, als es Werbetexte meist tun. Die Häute für unser Leder sind ein Koppelprodukt der Fleischerzeugung: Kein Tier wird für sie geschlachtet – aber „Abfall, der sonst weggeworfen würde“ sind sie auch nicht. Häute haben einen eigenen Wert und sind Teil der Gesamtkalkulation einer Schlachtung. Die Lederherstellung sorgt dafür, dass dieser Teil des Tieres über Jahrzehnte genutzt wird statt nur verwertet. Und noch eine Einschränkung gehört dazu: „Kein Tier stirbt für Leder“ gilt für Leder wie unseres aus der Fleischerzeugung – nicht für die gesamte Lederwelt. Wer Leder kauft, kauft ein Tierprodukt. Wir finden: Das muss man wissen dürfen, um sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden.
Der größere Unterschied liegt oft gar nicht in der Frage „echt oder künstlich“, sondern in der Gerbung. Der Großteil des Weltleders wird mit Chromsalzen gegerbt – das ist schnell und günstig, und es ist dann ein Problem, wenn die Gerberei ihr Abwasser nicht sauber aufbereitet oder mit bedenklichen Farbstoffen arbeitet. Deshalb machen wir die Auswahl nicht an einem Schlagwort fest, sondern an der Herstellung: Wir verwenden sowohl konventionell gegerbtes, semi-vegetabil gegerbtes und komplett vegetabil gegerbtes Leder – alles aus streng kontrollierter Produktion, ohne PCP- und AZO-Farbstoffe. Entscheidend ist für uns nicht das Etikett, sondern dass die Gerberei sauber arbeitet und das Leder hält, was wir versprechen. Und das tut es auf seine eigene Art: Es wird mit dem Gebrauch schöner. Kratzer und Gebrauchsspuren werden zur Patina – der Werdegang des Materials, sichtbar auf der Oberfläche. Kunststoff kann das nicht. Er kennt nur einen Zustand: neu. Danach geht es bergab.
Die drei im Vergleich
| Kunstleder („veganes Leder“) | Lederfaserstoff („recyceltes Leder“) | Echtes Leder | |
|---|---|---|---|
| Was es ist | Textil mit PU-/PVC-Beschichtung | verpresste Lederfasern mit Bindemittel | gegerbte Tierhaut, gewachsene Faser |
| Haltbarkeit | sehr kurz, dann Risse | gering, Oberfläche kann abblättern | viele Jahre |
| Alterung | wird spröde | zerfällt | entwickelt Patina |
| Reparierbar | nein | nein | ja, pflegbar |
| Am Lebensende | Plastikmüll | Verbundmaterial, kaum verwertbar | biologisch abbaubar |
| Darf „Leder“ heißen? | nein | nein | ja |
So erkennen Sie, was Sie kaufen:
- Kleingedrucktes lesen: Steht dort „PU“, „Polyurethan“, „bonded“, „recycelt“ oder „Lederfaserstoff“, ist es kein Leder – egal, was die Überschrift verspricht.
- Schnittkante ansehen: Echtes Leder zeigt im Querschnitt einen Faserverlauf. Faserstoff wirkt gleichmäßig wie Pappe, Kunstleder zeigt das Trägergewebe.
- Fotos genau ansehen: Wirkt das Material bretthart, stehen die Kanten steif, läuft die Narbung völlig gleichförmig über die ganze Fläche? Das spricht für eine geprägte Platte – echtes Leder fällt weicher und ist nie an zwei Stellen identisch.
- Preis prüfen: Eine „Echtleder“-Tasche zum Kampfpreis ist mit hoher Wahrscheinlichkeit keine.
Wo wir stehen – ganz offen
werktat arbeitet mit Tierprodukten. Unser Leder stammt als Schlachtnebenprodukt aus streng kontrollierter Herstellung – konventionell und semi-vegetabil gegerbt, ohne PCP- und AZO-Farbstoffe. Unser Wollfilz stammt von lebenden, frei gehaltenen Schafen. Wer konsequent vegan leben möchte, findet bei uns ehrlicherweise kein passendes Material – das sagen wir lieber klar, als mit Wortakrobatik das Gegenteil zu suggerieren.
Wer aber langlebige Naturmaterialien statt Kunststoff sucht, ist bei uns richtig. Denn am Ende gilt: Die nachhaltigste Form von Recycling ist ein Produkt, das man lange nicht ersetzen muss.
Sie sind unsicher, unser Leder zu Ihnen passt? Rufen Sie uns einfach an – wir beraten Sie ehrlich: +49 7062 910970. Oder sehen Sie sich zum Beispiel unsere Sitzkissen aus Leder quadratisch mit Filz, Mousepads aus Leder und Filz und Körbe aus Filz und Leder an.







